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BeitragVerfasst: Do 8. Dez 2011, 23:18 
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http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/ ... 36880.html

Gunnar Schupelius: Brüssel drangsaliert Berliner Tagesmütter. Wie viel Bürokratie lassen wir uns bieten?

Zuerst dachte ich, bei dieser Meldung handele es sich um eine Satire:

Am 1. Januar 2012 werden Berlins Tagesmütter zu „Lebensmittelunternehmern“ erklärt.
Durch eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie wird von den Berliner Jugendämtern umgesetzt, wie man so schön sagt.

Ab dem 1. Januar müssen Tagesmütter Buch führen, als würden sie ein Restaurant leiten.
Sie sind zu einer Wareneingangskontrolle verpflichtet.

Das bedeutet, dass sie über alle Lebensmittel, die sie den Kindern geben, einen Nachweis führen.

Hat Schupelius recht?

Ja Nein
Es soll nicht ausreichen, den Kassenbon aufzuheben. Nein, das Etikett des Marmeladenglases muss abgelöst und in die Akte gepackt werden.

Der Kühlschrank bekommt ein Thermometer. Das wird mehrmals täglich abgelesen. Die Temperatur wird in eine Liste eingetragen.

Lebensmittelkontrolleure werden die Tagesmütter aufsuchen und ihre Marmeladenglas-Etiketten überprüfen.

Hat mal jemand von diesen Bürokraten in Brüssel darüber nachgedacht, ob eine Tagesmutter überhaupt die Zeit dafür findet, eine solche Bürokratie zu bewältigen?

Wer bezahlt ihr diese Arbeit? Die Familien? Die werden sich bedanken.

Findet es in Brüssel niemand übertrieben, eine Tagesmutter, die Joghurt und Kekse einkauft, zu behandeln wie die Chefin einer Großküche?

Wieso ist es überhaupt erlaubt, sich solche „Richtlinien“ auszudenken?

Jetzt trifft es 1300 Tagesmütter in Berlin. So viele sind hier offiziell gemeldet.

Aber auch andere Berufe sind ja betroffen.

Nehmen wir die Bäcker, die eigentlich Sinn und Verstand darauf verwenden wollen und sollen, gutes Brot zu backen.

Auch sie versinken in Formularen und Tabellen:

Wollen sie zum Beispiel einen Käsekuchen backen, so können sie nicht einfach anfangen, Teig zu kneten.

Nein, sie müssen erst einmal den Zustand der Waren, die sie für den Käsekuchen verwenden, schriftlich festhalten.

Dann müssen sie das Legedatum der Eier und den Ort, an dem die Eier gelegt wurden, ermitteln.

Die Art der Verarbeitung der Zutaten muss ebenso festgehalten werden, wie der Plan, in welchen Filialen der Kuchen verkauft werden soll.

Die Temperatur in den Kühlschränken muss genauso oft gemessen und eingetragen werden wie die Abstände zwischen den Schüsseln für Eier, Butter und Mehl.

Jedes Jahr kommen neue Vorschriften hinzu.

Wozu hat ein Bäcker heute überhaupt sein Handwerk gelernt und den Meisterbrief erworben, wenn man ihm noch nicht einmal glaubt, dass er seinen Kühlschrank einstellen kann?

Wie Schulkinder behandeln uns die anonymen, ständig wachsenden und ausufernden Behörden.

Und am schlimmsten ist es, wenn die Vorschriften direkt aus der EU-Zentrale kommen, wie jetzt im Fall der armen Tagesmütter.

Dann verstecken sich nämlich die hiesigen Politiker hinter diesem anonymen Brüssel und waschen ihre Hände in Unschuld.

Das aber ist nicht das Europa, das ich lieben kann. Diese Leute, die in Brüssel im Büro sitzen und unsere Tagesmütter entmündigen, die haben die europäische Idee nicht verstanden.

Offene Grenzen und Freizügigkeit wollen wir.

Kleinliche, idiotische Vorschriften bekommen wir. Nein danke, sagen wir.


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BeitragVerfasst: Sa 10. Dez 2011, 10:29 
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Registriert: Mi 11. Jun 2008, 20:59
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Ja, ja, immer mehr Anforderungen, die ganzen anderen halb ausgegorenen Gesetze und deren Handhabungen weiterhin unbedacht lassen, und keinerlei Überlegung bei der Umsetzung in der Praxis ( die Umsetzung ist dann ja unsere Sache)! Ist ja typisch für die Politik!Aber wehe wir machen halbe Sachen!!!
Wer stellt denn das zusätzliche Geld zur Verfügung, das man dann bräuchte um jemanden einstellen zu können? Oder sollen die Kinder wegen der ganzen Dokumentation links liegen gelassen werden? Wo blieben denn dann die Möglichkeiten den Qualitätsanforderungen innerhalb der Kinderbetreuung zu entsprechen?
Für die Berliner tut es mir leid. Aber überlegt mal: "wehret den Anfängen". Andere Länder od. Kommunen od. Lebensmittelkontrollunternehmen könnten ebenfalls auf die Idee kommen diese Handhabungen umsetzen zu wollen.

LG

Molly


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BeitragVerfasst: Sa 10. Dez 2011, 13:13 
@Molly,

das müssen sie auch, denn es ist EU-Recht. Daran hängen wir als Mitglied der EU also mit drin.


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BeitragVerfasst: Sa 10. Dez 2011, 13:50 
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Da bleibt dann nur noch Catering. Meine Küche bleibt komplett geschlossen. Den Rest bringen die Kids in Brotdosen mit. Wer kontrolliert die denn dann?
Obwohl ich der Meinung bin, das Catering für solch empfindliche Mägen nicht geeignet ist. Erst wenn die Verdauungsorgane eine gewisse Resistenz aufgebaut haben, kann man ihnen diese Art von Speisen zumuten. :mrgreen:

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Liebe Grüße von Gela
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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2011, 06:53 
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Registriert: So 1. Jun 2008, 05:46
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motschekiepchen hat geschrieben:
Da bleibt dann nur noch Catering. Meine Küche bleibt komplett geschlossen. Den Rest bringen die Kids in Brotdosen mit. Wer kontrolliert die denn dann?
Obwohl ich der Meinung bin, das Catering für solch empfindliche Mägen nicht geeignet ist. Erst wenn die Verdauungsorgane eine gewisse Resistenz aufgebaut haben, kann man ihnen diese Art von Speisen zumuten. :mrgreen:


Das haben wir hier auch schon durch.
Dann dürfen wir dokumentieren wann und mit welcher Temperatur geliefert wurde, wenn die Lieferung nicht der Temperatur entspricht (70°C)
zurückschicken der Ware = kein Mittagessen für die Kids und dann wie lange und wie wurde die Mahlzeit bei welcher Temperatur warm gehalten.
Egal wie man es dreht die Doku bleibt.

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Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2011, 13:24 
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Registriert: Do 10. Jul 2008, 08:15
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Zitat:
Das haben wir hier auch schon durch.
Dann dürfen wir dokumentieren wann und mit welcher Temperatur geliefert wurde, wenn die Lieferung nicht der Temperatur entspricht (70°C)
zurückschicken der Ware = kein Mittagessen für die Kids und dann wie lange und wie wurde die Mahlzeit bei welcher Temperatur warm gehalten.


Man/Frau muss ja vorgewarnt sein :wink: ......
Wie wird es gehandelt wenn die Kinder ihr Mittagessen mitbringen?


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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2011, 13:58 
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Registriert: Mo 1. Dez 2008, 20:47
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Hallo,
hatte das Thema schon vor zwei Jahren, mus auch irgendwo einen alten Thread dazu geben....
Wenn die Eltern was mitbringen, müssten theoretisch Proben davon aufbewahrt werden und alles andere mit Temperatur bei Ausgabe des Essens etc bleibt. Wir geben es den Kindern also haben wir die Verantwortung.
Mit Frau Westphal vom Nds. Landesministerium gab es damals eine Absprache mit dem örtlichen Gesundheitsamt, weil ja angeblich bundesweit einheitliche Regelungen im Kommen sind , solange nichts weiter unternommen wird und alles in der Schwebe bleibt, bis diese Regelungen vorhanden sind. Angeblich soll es mittlerweile Absprachen der AGJAe für Nds zur Vorgehensweise (lockerere Handhabung) geben, die aber wohl noch nicht schriftlich ausgearbeitet sind. Wieviel Wahrheitsgehalt da dran ist, kann ich nicht sagen. Weder Lebensmittelbehörde noch Fachdienst wußten vor einem halben Jahr näheres... Letzte Überprüfung im Frühjahr ist nach meinem Widerspruch im Sande verlaufen...
Soweit die Info für Euch betr. Hannover..
LG
Sandra

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tätig seit 1996


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BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2011, 08:12 
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Registriert: Do 31. Jan 2008, 18:28
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Die Küchen werden auch bei Catering/selbst mitgebrachtem Essen kontrolliert. Die Kids bekommen ja schließlich auch mal nen Stück Obst oder was zu trinken, außerdem müssen die mitgebrachten Speisen ja auch ordnungsgemäß gelagert und zum Essen gewärmt werden - also nichts gewonnen. Küche muss nach Plan geputzt werden, Kühlschrank muss die gesetzlich vorgeschriebene Temperatur vorweisen und alles muss ordentlich dokumentiert werden - natürlich musst du dann auch dokumentieren, wer wann was mitgebracht hat, wie du es gelagert hast, wie du es wem und wann verabreicht hast............. :x:

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Liebe Grüße
Gabi


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BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2011, 14:07 
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Beiträge: 288
@ Gabriela,

haben die euch auch Angst gemacht von wegen Körperverletzung, Verdienstausfall der Eltern usw.?

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Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2011, 17:46 
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Registriert: Do 31. Jan 2008, 18:28
Beiträge: 1007
Wohnort: Berlin
nö, die haben eher beruhigend auf uns eingequatscht, wäre ja alles nicht so wild und so............
Wir sollten mal nicht in Panik verfallen, wenn sie kontrollieren kommen, würden sie uns ja auch beraten usw. usw.

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Liebe Grüße
Gabi


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BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2011, 21:53 
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Registriert: Mi 11. Jun 2008, 20:59
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motschekiepchen hat geschrieben:
Den Rest bringen die Kids in Brotdosen mit. Wer kontrolliert die denn dann?


ja genau! Und die Eltern dürfen dann natürlich auch dokumentieren ( das läßt sich doch bestimmt vertragl. regeln), und wehe die vergessen ihren Dokumentationszettel.Ich kann ja schließlich nichts dokumentieren, was ich nicht weiss
( Haltbarkeitsdatum, Etikett, Kühlschranktemperatur und Hygiene des Elternhaushaltes usw.). Dann bekommt das Kind eben nichts zu Essen. Ach ja, und nicht zu vergessen, es dürfen nur noch mit Sagrotan eingesprühte Kinder den Raum betreten. Natürliche Abwehrkräfte brauchen wir ja nicht, denn es gibt ja noch die Pharmaindustrie, die ja schließlich auch noch etwas verdienen muss. Bei ständigem Kühlschrankablesen und geputze mit Dokumentation und natürlich den entsprechenden keimabtötenden u. zusäzlich umweltbelastenden Putzmitteln, bleibt dann auch keine Zeit mehr zum rausgehen.
Oder Brüssel schickt mal jemanden der mit guter Laune mal einen kompletten Tag pädagogisch wertvoll arbeitet,Bedürfnisse der Kinder optimal erfüllt, putzt, Büroarbeit macht, Bildungsleitlinien erfüllt und natürl. auch dies dokumentiert und uns dummen TPP mal zeigt wie das einer alleine schaffen kann. Dann soll dieser jenige sich mal ehrlich überlegen ob dies tägl. für ihn leistbar ist.
Vor diesem ( Über)- Menschen mache ich dann auch einen hochachtungsvollen knicks und !!!!


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 16:19 
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Hier mal eine kleine Info vom Bundesverband der Kindertagespflege.

http://www.bundesverband-kindertagespfl ... mber11.pdf

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Liebe Grüße


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 19:21 
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Danke Annette

Zitat:
Vorschriften für (...) vorrangig als private Wohngebäude genutzte Betriebsstätten,
in denen jedoch Lebensmittelregelmäßig für das Inverkehrbringen zubereitet werden----
die eine mit der Produktion,der Verarbeitung und dem Vertrieb von Lebensmitteln zusammenhängende Tätigkeit ausführen.“


Wenn ich Essen kommen lasse oder die Kinder Essen mitbringen, gehört dann aufwärmen zu zubereiten, produzieren oder verarbeiten? :oops:


Zitat:
Das BMELV (Bundesministerium für Ernährung,Landwirtschaft und Verbraucherschutz)setzt sich zudem dafür ein,dass die Überwachung der Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Regelungen zuständigen Behörden der Länder ihre durch das neuere EG-Lebensmittelrechteröffneten erheblichen Ermessensspielräume bei der Durchführung der Lebensmittelüberwachung in gebotener Weise nutzen und dabei die Belange des Einzelfalls in angemessener Weise beachten.“

Kann also wieder überall anders ausgelegt werden.


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 23:08 
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Registriert: So 16. Dez 2007, 00:03
Beiträge: 366
Super, damit bin ich fein raus!

Ich habe das Schreiben vom BMELV gefunden und da steht tatsächlich drin, dass nur Tagesmütter verpflichtet sind.
Nicht etwas Tagespflegepersonen oder Tagesmütter und -väter.

Endlich habe ich mal etwas Schriftliches, worauf ich mich berufen kann!

Na dann, viel Spaß beim dokumentieren, Kolleginnen ... :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 23:41 
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Registriert: Do 10. Jul 2008, 08:15
Beiträge: 105
Damit unterliegen Tagesmütter als Lebensmittelunternehmer der Registrierungspflicht nach
Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004.

Zitat:
Super, damit bin ich fein raus!
Nicht etwas Tagespflegepersonen


:thefinger:


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